Wie ist das wirklich mit der Fragmentierung?

Richard Wagner

Bekanntes Mitglied
"Früher", zu DOS-Zeiten, habe ich gelernt, daß die Diskette fragmentiert, wenn man Dateien löscht, wodurch eine Lücke entsteht und DOS dann eine neue Datei auf die Diskette schreiben will, die aber zu groß ist für diese Lücke. Später hat man das für Windows weiterhin so erklärt. Aber irgendwie scheint mir diese Erklärung nicht mehr zeitgemäß.

Ich habe mit dem JDownloader ein großes Zip-Archiv herunter geladen. Seht, wie es auf der Festplatte verteilt ist:
01.png


Es wäre genügend Platz, die Datei am Stück abzulegen. Aber nicht nur, daß sie stark zerstückelt ist, die einzelnen Fragmente befinden sich zu einem großen Teil hinten, im langsameren Bereich des Partition.

Kopiere ich nun die Archiv-Datei, z.B. mit dem SpeedCommander, ist die Kopie an einem Stück, und ich kann das fragmentierte Original löschen. Diese Art zu defragmentieren geht auffälligerweise erheblich schneller als die Defragmentierung mit einem darauf spezialisierten Programm, egal, mit welchem...

Die an einem Stück zusammenhängende Kopie der Datei liegt nun irgendwo in der Mitte des großen freien Bereiches, also auch nicht so weit vorne, wie es theoretisch möglich wäre.

Nun entpacke die nicht-fragmentierte Kopie des Archivs und erhalte 501 fragmentierte Dateien mit insgesamt 2775 Fragmenten, und wieder fast alles in der zweiten, langsameren Hälfte der HDD-Partition:
03.png


Das dann wieder als Archiv gepack hat jetzt "nur" 725 Fragmente. Das sind zwar ein paar Tausend weniger als bei dem originalen Archiv aus dem Downlaod, aber immer noch 724 Fragmente "zu viel".

Warum ist das so?
Und hat es überhaupt einen Sinn, die Festplatte zu defragmen?
 

chaospir8

★★★★★-Oldie
"Echte" HDD oder ist es doch eine SSD?
Das macht, in meinen, einen großen Unterschied in der Beantwortung Deiner Frage(n).
 

SkAvEnGeR

Master of Tools
In diesem speziellen Fall kann das daran liegen, dass die betroffene Datei aus dem Netz geladen wurde - häppchenweise.

Kopierst du die gleiche Datei in einem Stück von anderer Quelle auf die Platte, wird der erste freie Bereich genutzt und alles, was danach frei ist.
 

ibinsfei

Team (Technik) - BOFH
Mitarbeiter
Diese Art zu defragmentieren geht auffälligerweise erheblich schneller als die Defragmentierung mit einem darauf spezialisierten Programm, egal, mit welchem...
Was du da machst, hat auch nichts mit Defragmentierung zu tun. Eine Defragmentierung geht über die ganze Platte und verteilt die Dateien neu, so dass keine Lücken mehr da sind. Das war früher immer ein Geschwindigkeitsgewinn, da dann beim Lesen der Kopf der Platte nicht immer hin- und her springen musste. Heute sollte man speziell SSD's nicht mehr defragmentieren, da hier kein Schreib- und Lesekopf bewegt werden muss (=> kaum Zeitverlust beim Lesen fragmentierter Dateien) und die SSDs nur eine endliche Zahl von Schreib- Lesezugriffen pro segment "überleben" und dadurch die SSD schneller kaputt wird, bzw. Kapazität verliert.
 

chaospir8

★★★★★-Oldie
[...] Heute sollte man speziell SSD's nicht mehr defragmentieren, da hier kein Schreib- und Lesekopf bewegt werden muss (=> kaum Zeitverlust beim Lesen fragmentierter Dateien) und die SSDs nur eine endliche Zahl von Schreib- Lesezugriffen pro segment "überleben" und dadurch die SSD schneller kaputt wird, bzw. Kapazität verliert.

Darauf zielte meine Frage oben. SSDs defragementiert man nicht (modernes Windows (seit Win7, glaube ich) macht es automatisch auch nicht mehr im Hintergrund), weil es Absicht ist, die Daten darauf stark zu verteilen/zu defragmentieren, damit die SSD-Speichersteine gleichmäßig genutzt werden und gleichmäßig "altern".
 

Mr. Big

old geezer
Und eine HDD sollte man immer noch defragmentieren z. B. wenn das System auf eine SSD liegt und die HDD als Speicherplatte verwendet wird?
 

ibinsfei

Team (Technik) - BOFH
Mitarbeiter
Es kommt darauf an. Wenn die Platte stark fragmentiert ist, dann kann man durchaus defragmentieren, wobei bei mir z.B. die HDDs eigentlich Datengräber sind und deswegen kaum fragmentiert sind.
 

Richard Wagner

Bekanntes Mitglied
1) HDD! Das steht oben auch. Die Erklärng zu den SSDs ist in diesem Zusammenhang hier also überflüssig.

Bei SSDs sieht es aber genau so aus, zumindest im Hinblick auf die gezählten Fragmente und was die graphische Darstellung des Dateisystems anbetrifft. Auf SSDs entsteht Fragmentierung genau so wie auf HDDs, weil die SSDs auch nur ein gewöhnliches Dateisystem darstellen und die Prgramme bzw. Windows da offenbar gleich mit umgehen.

2) Der JDownloader hat die Datei direkt auf die HDD gespeichert. Den gleichen Effekt mit der Fragmentierung gibt es aber permanent auch in anderen Situatuinen. Eine solche Situation habe ich oben geschildert: Auspacken des Archivs. Eine zweite Situation habe ich direkt im Anschluß geschildert: Die Dateien in eine neues Archiv speichern. Eine weitere Situation, wo neue Dateien fragmentiert abgelegt werden, über die ganze Partition verteilt, ist z.B. eine Datei mit Photoshop speichern. Und wenn Ihr wollt, könnt Ihr noch jede Menge andere Beispiele finden. Der Effekt ist auch nicht neu. Den habe ich schon mindestens mit Windows 7 beobachtet, dann mit Windows 8/8.1 und jetzt eben mit Windows 10. Merkwürdig, daß Ihr das nicht kennt!

3) Was ich hier geschildert habe ist keineswegs ein spezieller Fall, sondern die sture Regelmäßigkeit seit Jahren.

4) Wie ich geschrieben habe, wird die Datei, wenn ich sie kopiere, am Stück, also nicht fragmentiert, kopiert, aber, und auch das dürft Ihr mir gerne glauben, in der Regel eben nicht soweit nach vorne, wie möglich, sondern irgendwo in die Mitte!

5) Es ist nirgendwo festgelegt, daß eine Defragmentierung über die ganze Platte gehen muß und nicht bloß einzelne, ausgewählte Dateien erfassen darf. Es ist auch nirgends definiert, daß eine Defragmentierung von einem speziellen Programm erledigt werden muß, weil es sonst nichts mit Defragmentierung zu tun hätte, obwohl anschließend alles fragmentfrei ist. Daß es nach einer "echten" Defagmentierung keine freien Stellen mehr gibt, ist ebenfalls keineswegs immer der Fall. Das hängt u.a. vom verwendeten Programm ab und von den Einstelungen, die man dort trifft.

6) Es gibt intelligente Programme, wie z.B. der von mir verwendete Defraggler, der auch einzelne Dateien defragmentieren kann. Auch andere Defragmentierer machen das nicht zwingend immer über die ganze Platte. Die Frage ist dabei nur, warum die Defragmetierer (und auch hier könnt Ihr mir glauben, daß ich im laufe der Zeit verschiedene getestet habe) dafür viel länger brauchen, als wenn ich das über einen manuellen Kopierprozeß mache.


Die alte Theorie, die immer noch und immer wieder erzählt wird, stimmt einfach nicht!

Es ist durchaus denkbar, daß eine Datei, wenn sie häppchenweise aus dem Netz geladen wird, dann auch häppchenweise gespeichert wird und in der Folge fragmentiert ist. Offenbar ist es auch so, daß Programme (WinRAR, Photoshop und andere), die gleichzeitig mehrere Prozessorkerne benutzen, die Dateien beim Speichern ebenfalls in Häppchen ablegen. Aber warum sie die Fragmente dann über die ganze Festplatte verteilen und zu einem großen Teil im hinteren Bereich ablegen, statt nahe beieinander weiter vorne, diese Frage ist noch offen.

Was stimmt da an der alten Theorie nicht oder nicht mehr? Und ist es überhaupt sinnvoll, (auf einer HDD!) Dateien oder Partitionen zu defragmentieren?
 

ibinsfei

Team (Technik) - BOFH
Mitarbeiter
Um das wirkliche Schreiben auf die Platte kümmert sich nicht WinRar, JDownloader, Speedcommander etc. sondern der Controller und der schreibt die Daten dann nach seinen Algorithmen auf die Platte. Die Programme senden dem Controller nur die Daten, die er speichern soll. Ein Defragmentierer funktioniert direkt auf der Platte. Das läuft zwar auch über den Controller, doch werden hier die Sektoren direkt angesprochen und das ist logischerweise langsamer. Das es auch beim Kopieren zu Fragmentierungen kommen kann liegt auch daran, das evtl. andere Prozesse/Programme Daten schreiben, während der Kopiervorgang läuft (z.B. irgendwelche logs etc.).
Bei JDownloader ist es so, dass er selbst die Daten häppchenweise schreibt, deswegen ist es beim Download nicht berwunderlich, wenn die Datei dann stärker fragmentiert ist.
 

SkAvEnGeR

Master of Tools
Und ist es überhaupt sinnvoll, (auf einer HDD!) Dateien oder Partitionen zu defragmentieren?
Sofern diese HDDs nur als Datenspeicher genutzt werden, ist eine Defragmentierung eigentlich nicht nötig.
Der vermeintliche Geschwindigkeitsgewinn beim Zugriff auf die Datei macht sich da nicht so bemerkbar.
Liegt jedoch das Start-OS auf einer HDD macht defragmentieren nach wie vor Sinn - vorher sollte man jedoch TEMP und anderen Datenmüll entsorgen.
 

eumel_1

rüpelhafter Bierhippie
Du solltest mit Windows XP keine Tauschbörsen mehr nutzen, aus 2 Gründen:
- Windows XP ist ein Sicherheitsrisiko
- Tauschbörsen und die Contentmafia, mehr sag ich nicht!

Unter Windows in einer aktuellen Version so ab Windows 10, braucht man eine Defragmentierung nicht manuell anzustupsen, das das Betriebssystem diese Aufgabe von selbst automatisch übernimmt in Zeiten, wo keine Festplattenaktivität besteht.

Kann es sein, dass du zu viel Tagesfreizeit hast?

@SkAvEnGeR auch auf einem Startlaufwerk übernimmt Windows 10 die Optimierung auf einer Magnetplatte automatisch, man muss den Rechner einfach nur mal 'ne Nacht eingeschaltet lassen.
 

GiveThatLink

Bekanntes Mitglied
Kann es sein, dass du zu viel Tagesfreizeit hast?
:p

Ich kümmere mich um die Defragmentierung seit Windows 7 so gut wie gar nicht mehr, einmal im Jahr vielleicht. SSD eh nicht, siehe oben, fehlende Mechanik.

Früher, so gefühlt vorm kriech, war das wichtig, Platten waren langsam, da hat man die wichtigsten Daten an den Anfang verschoben, da lag auch das OS. Inzwischen ist das sowas von hinfällig und letztlich steigt auch nur wieder Verschleiss bei Platten. Unter Win10 habe ich selbst diesen Dienst deaktiviert, ist IMO aber eine Aufgabe. 10 Minuten später sieht es eh wieder wie vorher aus. Windows 10 Defrag erkennt aber auch SSD und lässt jene aus. Und läuft nur an nach einer bestimmten Zeit im Idle-Betrieb.

Auf einem Datengrab kann man das mal regelmässig - 1 bis 2 Mal im Jahr erledigen, am besten direkt nach dem Ausmisten, bestimmte Daten oder Software sind nach wenigen Jahren eh überholt.

XP, Tauschbörsen? Watt war dat noma? Und mit der "Contentmafia" (Rechteinhabern) legt man sich besser nicht an.

Apropos Defraggler, ist so ziemlich mit das "dümmste" Programm auf dem Sektor am Markt, auch alle anderen, die so "schlank" sind. Die haben nichts eigenes, die nutzen die Windows-API, daher ist es auch so schnarchlahm, liest du
Früher gab es PerfectDisk, bis es bloated wurde, nebenher gab es VOpt, das hat allerdings extreme Nebenwirkungen beim Defraggen, das Laufwerk ist gesperrt, auch wenn man es so nicht sieht. Auslogics ist ok, muss man mögen, dito O&O.

Vieles hat in den letzten Jahre einfach von allein erledigt, Piriform-Software gehört dazu
 

naranek10

Bekanntes Mitglied
" [...] [A]uch auf einem Startlaufwerk übernimmt Windows 10 die Optimierung auf einer Magnetplatte automatisch, man muss den Rechner einfach nur mal 'ne Nacht eingeschaltet lassen. [...]"

Nicht mal das ist nötig, es reicht, den Rechner nicht mit explizit herunterzufahren. Aus dem Energiesparmodus wacht der Rechner nachts automatisch auf und führt diese Aufgaben durch.
 
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