Haftungsfrage / DSL-Frage / Vorratsdatenspeicherung ?

spider-man

- N O I R -
Was wird eigentlich gespeichert, wenn man Providerzugangsdaten an einem fremden DSL-Anschluss nutz ?

Wird nur die zugewiesene IP des Internetzugangs gespeichert, oder wird auch der physikalische DSL-Anschluss gespeichert ?

Beispiel:
Jemand klaut meine Zugangsdaten und nutzt sie an seinem DSL-Anschluss und macht böse Dinge.

Wer/was kann ermittelt werden ?
Der Zugangsdateninhaber - ist klar.
Aber: Kann man auch den Anschlussinhaber ermitteln ?
Werden diese Daten auch auf Vorrat gespeichert ?
 

Gandalf2

Bekanntes Mitglied
AW: Haftungsfrage / DSL-Frage / Vorratsdatenspeicherung ?

Normalerweise sind die DSL-Anschlüsse personalisiert, d.h. an einen bestimmten Telefonanschluss gebunden. Das wird sich in Zukunft sicherlich wieder ändern, wenn zunehmend DSL-Anschlussanbieter und Telefonanbieter auseinanderfallen. Theoretisch ist dann das "Anzapfen" fremder Leitungen wieder ein Szenario.

Um bei Deinen Begriffen zu bleiben:
Die Ermittlung des "Zugangsdateninhabers" wird immer funktionieren. Auch der "Anschlußinhaber", also über welche Leitung ein Internetzugang genutzt worden ist, bleibt nachvollziehbar. Die Einwahl funktioniert ja nicht anders wie jedes einfache Telefonat. Wer den Rechner oder diesen Anschluss real benutzt hat, lässt sich im Zweifel nicht feststellen. Daher versucht die Industrie sowas wie eine Haftung des Zugangsdateninhabers einzuführen, scheitert aber regelmäßig an den Gerichten.

Erst zuletzt wurde ein Vater freigesprochen, da er glaubhaft machen konnte, seinen Kindern die Nutzung von Tauschbörsen untersagt zu haben. Daneben gab es erst kürzlich eine Entscheidung, die den Arbeitgeber von der Pflicht der ständigen Überwachung des Anschlusses entbunden hatte. (War lustig, weil ein Mitarbeiter eines Radiosenders Mp3s über seinen Arbeitsplatzrechner in Tauschbörsen zur Verfügung gestellt hat).

Die gleiche Problematik besteht natürlich bei WLANs und Hotspots.

Auch wenn man evtl. nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann, darf das natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass man als "Zugangsdateninhaber" tierischen Stress haben kann. Hausdurchsuchungen und langwierige Verfahren u.U. mit Beschlagnahme können drohen.
Also sorgfältig mit Zugangsdaten umgehen und sich gründlich überlegen, wen man an den eigenen Rechner läßt.

Gruß
Gandalf2
 

spider-man

- N O I R -
AW: Haftungsfrage / DSL-Frage / Vorratsdatenspeicherung ?

Hi Gandalf2.

Erstmal Danke für Deine Antwort !

Das zeitnah die Zurückverfolgung zum Anschluss möglich ist, möchte ich auch nicht bezweifeln.
Was ich mich frage ist, ob die Vorratsdatenspeicherung auch den Anschluss betrifft.

Damit meine ich ob auch noch Wochen- oder vielleicht Monate später der eigentliche Einwahlpunkt ermittelt werden kann ?
Das setzt ja vorraus, das die Vorratsdatenspeicherun auch hier greift.
Das habe ich nämlich noch nirgends gelesen.
Bisher ist doch immer nur von den eigentlichen Verbindungsdaten die Rede.
(Nur: Aus was genau bestehen die Verbindungsdaten ?)
 

Gandalf2

Bekanntes Mitglied
AW: Haftungsfrage / DSL-Frage / Vorratsdatenspeicherung ?

Ich zitiere mal:

"Es werden Telekommunikationsverkehrsdaten gespeichert, keine Telekommunkationsinhalte. Verkehrsdaten sind Daten aus denen sich ergibt, von welchem Anschluss aus zu welchem Anschluss hin wann und wie lange kommuniziert wurde, also die genutzten Rufnummern und Kennungen, die Uhrzeit und das Datum der Verbindungen. Viele Telekommunikationsunternehmen speichern diese Daten schon heute zu geschäftlichen Zwecken, denn für Abrechnungszwecke ist das 6 Monate lang gem. § 97 Abs. 3 Satz 3 Telekommunikationsgesetz (TKG) zulässig.

Neu hinzu kommt nur, dass bei der Mobilfunktelefonie auch der Standort, also die angewählte Funkzelle, bei Beginn der Mobilfunkverbindung gespeichert wird. Daten, die Aufschluss über den Inhalt der Kommunikation geben, dürfen dagegen nicht gespeichert werden.

Zu den Telekommunikationsverkehrsdaten gehören neben Telefonverbindungen auch bestimmte Verkehrsdaten, die bei der Kommunikation über das Internet anfallen. Diese müssen nach der EU-Richtlinie künftig ebenfalls gespeichert werden. Deutschland nutzt die Umsetzungsfrist aus, deshalb müssen erst ab dem 1.1.2009 gespeichert werden:

von den Internetzugangsanbieter: die zugewiesene IP-Adresse, Beginn und Ende der Internetnutzung und die Anschlusskennung (Rufnummer oder DSL-Kennung); nicht aber, welche Seite besucht wurde;

von den Anbietern von E-Mail-Diensten: im Wesentlichen die Kennungen der elektronischen Postfächer (E-Mail-Adressen) und die IP-Adressen von Absender bzw. Empfänger nebst Zeitangaben;

von Internettelefonieanbietern (VoIP): die Rufnummern, Zeitpunkte der Kommunikation und die IP-Adressen.

Auch in diesem Bereich werden also nur Daten über den Internetzugang und die E-Mail-Kommunikation gespeichert."

Nachzulesen unter:
http://www.gutefrage.net/frage/vorratsdatenspeicherung-was-ist-der-aktuelle-stand-der-debatte

Gruß
Gandalf2
 

Steve-Urkel

Team (Azubi ;-))
AW: Haftungsfrage / DSL-Frage / Vorratsdatenspeicherung ?

DSL Zugangsdaten kann man von jedem T-Offline Anschluss nutzen, die von Alice an jedem Alice Anschluss u.s.w.

Es gibt zumindest keinen mir bekannten DSL Anschluss der sich nur auf die Zugangsdaten des Anschlussinhaber beschränkt.

Zumindest bei T-Offline ist es angeblich so das die Verbindungen über einen DSL Anschluss nicht orten können, für die ist eine Anschlusskennung letztendlich der Inhaber der Zugangsdaten, nicht der des Anschlusses.
Es werden "nur" die Zugangsdaten zur IP gespeichert, davon können einige Leute mit ungewollten T-Pay Abrechnungen ein Lied singen. Da waren und sind, wenn man denen glauben kann, sogar alle Ermittlungsbehörden machtlos.
 

spider-man

- N O I R -
AW: Haftungsfrage / DSL-Frage / Vorratsdatenspeicherung ?

ja - das Zitat im Netz ja recht verbreitet.

So genau werde ich daraus aber auch nicht schlau. :icon_confused::o

von den Internetzugangsanbieter: die zugewiesene IP-Adresse, Beginn und Ende der Internetnutzung und die Anschlusskennung (Rufnummer oder DSL-Kennung); nicht aber, welche Seite besucht wurde;

Darin steht was von Rufnummer (ist ja klar) und einer DSL-Kennung.
Ich habe jetzt mal sehr ausführlich nach DSL-Kennung gegoogelt und im Zusammenhang mit DSL-Kennung werden eigentlich immer nur die Zugangsdaten genannt. Bei T-Online beispielweise ja auch Anschlusskennung.
Nirgends konnte ich finden, dass damit der DSL-Anschluss identifiziert werden kann.

Ich weiss - ich betreibe jetzt etwas Korinthenkackerei - aber unser Recht ist nunmal Korinthenkackerei. :(
 

Steve-Urkel

Team (Azubi ;-))
AW: Haftungsfrage / DSL-Frage / Vorratsdatenspeicherung ?

Die Anschlusskennung ist nichts anderes als ein Teil deiner Logindaten.
Anschlusskennung+T-Online-Nummer+Mitbenutzer = Benutzername

Die kannst du hier oder da eingeben, das hat mir dem Anschluss absolut nichts zu tun.
 

CForce

latent subversives Element
AW: Haftungsfrage / DSL-Frage / Vorratsdatenspeicherung ?

Ja, da steht ja auch:
die zugewiesene IP-Adresse, Beginn und Ende der Internetnutzung und die Anschlusskennung (Rufnummer oder DSL-Kennung)...

Könnte man so auslegen, dass bei einer Modem oder ISDN-Verbindung die Rufnummer, bei einer DSL-Verbindung die DSL-Kennung gespeichert wird.

Grundsätzlich kann man sich bei der Telekom von jedem DSL-Anschluß aus mit seinen Daten einloggen, meine CongstAr Einwahldaten funktionieren auch an jedem Telekom-Anschluß.

Das läßt meines Erachtens immer noch die entscheidende Frage offen, ob man nun anhand der gespeicherten Daten bei DSL den tatsächlichen Anschluß ermitteln kann oder nur mit welchen logindaten der Nutzer eingewählt war - aber nicht von wo aus.

Eine Telefonnummer gibt es ja bei DSL nicht, höchstens beim zugehörenden Telefonanschluß....

An der gespeicherten IP-Adresse läßt sich zumindest ungefähr erkennen von wo aus der Nutzer eingewählt war/ist.

Gruß
CForce
 

spider-man

- N O I R -
AW: Haftungsfrage / DSL-Frage / Vorratsdatenspeicherung ?

@CForce
Das läßt meines Erachtens immer noch die entscheidende Frage offen, ob man nun anhand der gespeicherten Daten bei DSL den tatsächlichen Anschluß ermitteln kann oder nur mit welchen logindaten der Nutzer eingewählt war - aber nicht von wo aus.

Du hasts kapiert wie ich das meine. :yo

@Steve
Ja - das ist mir ja klar.
Gandalf2 meint ja die DSL-Kennung hätte was mit dem Anschluss zu tun und ich meine damit ist die Anschlusskennung bzw. Zugangsdaten gemeint.

Deshalb war meine Frage ja, ob durch die Vorratsdatenspeicherung die Verbindung zum eigentlichen "Modem" zurückzuverfolgen ist.
Ich meine nämlich nicht - da ja nur die Verbindungsdaten / Zugangsdaten gespeichert werden.

Die Frage ist also erstmal: Was ist mit DSL-Kennung gemeint ?
 

Gandalf2

Bekanntes Mitglied
AW: Haftungsfrage / DSL-Frage / Vorratsdatenspeicherung ?

So schwer ist das doch nicht, auch wenn ich mich in meinem ersten Posting mißverständlich ausgedrückt habe ...

1. DSL funktioniert technisch ohne Telefonanschluss.
Nachzulesen z.B. unter: http://www.dsl-basar.de/funktion-dsl.php

Folge: Telefonnummer wird bei der Speicherung nicht gebraucht, deshalb ist hier die Rede von der DSL-Kennung, IP etc. und nicht von Rufnummern.

2. Die IP wird gespeichert und ist rückverfolgbar, da die einzelnen Provider IP-Bereiche zugeordnet kriegen. Über die IP läßt sich der Anschlußinhaber (gemeint ist hier der Vertragspartner des Providers) ermitteln. Dort laufen die Ermittlungsbehörden dann auf. Telefonleitungen spielen dabei keine Rolle.

Gruß
Gandalf2
 

dr_tommi

alter Oldie
AW: Haftungsfrage / DSL-Frage / Vorratsdatenspeicherung ?

Aber es ist doch schön, wenn der frisch ausgepackte Router sich die benötigten Zugangsdaten automatisch vom Anschluß holt und auch gleich einträgt. Da kann man sein Passwort nicht mehr vergessen. :D
 

fersengeld

Bekanntes Mitglied
AW: Haftungsfrage / DSL-Frage / Vorratsdatenspeicherung ?

Deshalb war meine Frage ja, ob durch die Vorratsdatenspeicherung die Verbindung zum eigentlichen "Modem" zurückzuverfolgen ist.
Selbstverständlich ist das technisch möglich und da das Gesetz entsprechende Vorkehrungen verlangt, wird das auch schön säuberlich geloggt und aufbewahrt werden. Ob analoges Telefon, ISDN, Handy, DSL oder was auch immer - alle Verbindungsdaten werden geloggt.

Ich meine nämlich nicht - da ja nur die Verbindungsdaten / Zugangsdaten gespeichert werden.
Wie kommst du darauf, der Informationsfluß, um eine Verbindung von Modem X zu DSLAM Y herzustellen, seien keine Verbindungsdaten? Jegliches Netz benötigt Routing-Daten, damit überhaupt eine Verbindung aufgebaut werden kann.
 
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